Wenn man in Deutschland Chinesisch lernt, dann hat man nicht immer die Möglichkeit, sein Hörverständnis zu verbessern. Gerade die den Textbüchern beiliegenden CDs werden nach dem Durcharbeiten schnell langweilig.
Chinesepod.com – Learn Mandarin on Your Terms bietet Podcasts an. Dies sind Dialoge, in verschiedenen Schwierigkeitsstufen, die von Kommentatoren begleitet werden. Man kann die Datei einfach herunterladen und wann immer man will anhören. Die Länge ist unterschiedlich, liegt aber um 15 Minuten. Das Grundangebot zum Downloaden der Podcasts ist kostenlos und völlig ausreichend.
Eine gute Möglichkeit sein Hörverständnis zu verbessern.
Mai 14th,2006
China |
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Nachfolgend zitiere ich Jörg-M. Rudolph, mein ehemaliger Dozent am Ostasieninstitut und Herausgeber und Autor des Xiucai, aus dem Vorwort zu seiner Schrift ‘Das größte Geheimnis Chinas: 汉字’. 汉字 sind die chinesischen Schriftzeichen.
“Tatsächlich umgibt das Land bis heute eine Mauer, die es effektiver verbirgt als die steinerne es jemals vermochte: die chinesische Schrift. Sie und die ihr zugrundeliegende Sprache sind den Europäern seit Jahrhunderten die Verkörperung des Unverständlichen schlechthin – Chinesisch eben oder schlimmer: Parteichinesisch.
Tausende von Schriftzeichen bilden für alle Ausländer … einen vielschichtigen, dicken, undurchdringlichen Vorhang. Sie sind der Ursprung aller chinesischer Kultur, aller chinesischen Verhaltensweisen, allen chinesischen Denkens. Die Schriftzeichen versperren uns jeden wirklichen Zugang zu diesem Land. Sie machen uns zu ewigen Außenseitern, die immer nur auf der Oberfläche der Erscheinungen ziellos umherschwimmen. Sie stürzen uns so sehr in Verwirrung, da wir unversehens unsere eigene kulturelle Handlungsbasis beim Betreten Chinas verlassen. Ohne eine neue zu haben setzt Verunsicherung ein. Vorstandsvorsitzende von Milliarden-Konzernen stehen vor ihren chinesischen Habenichts-Gesprächspartnern, meist Leiter technisch bankrotter Staatsfirmen, und überreichen linkisch ihre Visitenkarte – mit beiden Händen. Warum? Weil sie sich in einer fremden, unbekannten Welt bewegen, die ihnen keine Vergleichsmöglichkeiten läßt. So nehmen sie dann den vielfältigen Schein Chinas rasch für dessen Realität und treffen ihre Entscheidungen.
Etwas Kenntnis des Schriftzeichen-Systems ist der erste Schritt zur Erkenntnis Chinas. Wer den Schein der schönen Zeichen durchschaut, wer ihr System erkennt, der sieht auch, wie China tickt und gewinnt rasch Sicherheit im Umgang mit diesem Land und einen guten Zugang zur restlichen chinesischen Realität. Das kann nur von Vorteil sein, was immer man dort tut.
Der Schriftzeichen-Vorhang sperrt uns aus. Wir können die Zeichen nicht entziffern oder ihr System erkennen. Wir sind unfähig, diese ‘mysteriösen Hieroglyphen’, wie John Mcgowan sie 1907 nannte, in einem Wörterbuch nachzuschlagen, müssen vielmehr dauernd Chinesen um Hilfe bitten, was abhängig macht und uns irgendwann zu einer Gegenleistung verpflichtet, die wir sonst nicht geben würden.
Die Schriftzeichen stellen uns in eine bizarre, fremde Welt – überall, wo sie auftauchen, ob in Peking, Shanghai, Hongkong, Chinatown oder im China-Restaurant in Frankfurt. Wir haben nicht einmal eine Ahnung, was sie bedeuten könnten und das verunsichert. Aber es zieht uns auch an wie alles Mystische, Geheimnisvolle …
Die Zeichen verunsichern uns gleichzeitig, weil wir sie nicht durchschauen. Daraus resultieren Staunen über und dann Bewunderung für jene, die mit diesem System tatsächlich oder vermeintlich umgehen können. Die hierarchischen Verhältnisse beginnen sich umzukehren. Der ausländische Chief Executive China mit 500.000 Mark Jahreseinkommen ist im Shanghaier Geschäftsleben plötzlich abhängig von seiner 25jährigen Sekretärin mit nicht mal einem Zwanzigstel davon, bloß weil sie die Schriftzeichen schreiben und lesen kann. Die Sekretärin legt deshalb nicht selten das Allerheiligste der Firma fest, ihren chinesischen Namen oder den ihrer Produkte. Und der Fahrer des CEO ist unversehens auch Vertrauensperson für Geschäftstips, Hintergrundinformationen und Verhandlungsstrategien. Das gibt es in China und nur in China! Dort geht das, weil dem Chef selbst die 阿姨 – a yi Haushaltshilfe Respekt einflößt, wenn sie ihren Einkaufszettel einfach so mit Schriftzeichen zusammenstellt oder der Hotelportier dem Taxifahrer die anzusteuernde Adresse auf einen Zettel notiert. Plötzlich kommen wir uns in dieser fremden Zeichen-Welt nicht nur hilflos, sondern auch noch unterlegen vor.
Das wird ausgenutzt. Von cleveren und sogar weniger cleveren Chinesen, die die Unsicherheit des 26-Buchstaben-Gegenübers förmlich riechen. Aber genauso auch von ausländischen China-Kennern, die sich mit einem in der Bar nonchalant dahin geworfenen ‘wei, shi fu, lai liang ge piu jiu ba’ unseren Respekt ergaunern wollen: Old China hand, China-Experte! Spricht fließend Chinesisch! Aber: Würden Sie jemanden wegen ‘Garcon, deux bieres!’ für einen Frankreich-Experten halten? Vermutlich nicht.
Nur in China funktioniert das täglich. Nirgends sonst auf der Welt wird man für Besucher schneller zum Experten als in diesem Land. Mit Inbrunst lauschen die Delegationen aus Deutschland – Bundestagsabgeordnete, Minister, Konzern-Strategen – den Ausführungen ihnen völlig unbekannter Praktiker vor Ort. Wie Doktor Allwissend dozieren die über alle Erscheinungsformen, die China annehmen kann. Und das sind sehr, sehr viele: Sie erklären die Lage der Wirtschaft, das Bankensystem, die Malaisse der Staatsbetriebe, die Innenpolitik, die Außenpolitik, die partei-internen Machtspiele, Taiwan, Tibet, die Menschenrechte, Dissidenten, die Lage der anderen Völkerschaften (sog. ‘Nationale Minderheiten’), die Philosophie und Geschichte Chinas, die Antiquitäten und die Peking Oper. Andererseits können sie nicht einmal die trivialen Parolen lesen, die das lokale Propagandabüro gerade am Straßenrand aufhängen läßt.
Warum hören die gelegentlichen Besucher so aufmerksam zu? Und tragen das Gehörte dann als Erkenntnis, eigenes Wissen und eigene Ansicht nach Hause, wo auf dieser Grundlage womöglich sogar Entscheidungen getroffen werden? Weil sie viel Respekt vor dem undurchschaubaren China haben. Schuld daran sind die Schriftzeichen …
Zwar sind es nicht allein die Zeichen, die China für Europäer und europäisch geprägte Besucher bis heute unzugänglich halten. Aber sie sind es vor allem. Sie sind der Kern der Sache, das Korn, aus dem alles andere sproßt und sich dann im täglichen Leben unendlich verzweigt.”
Zum Thema
- Das größte Geheimnis Chinas: 汉字, Teil I
- Das größte Geheimnis Chinas: 汉字, Teil II
Mai 13th,2006
China |
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„Muß der China-Manager auch die chinesische Sprache beherrschen?“ Diese Frage stellt Birgit Zinzius erst am Ende ihres Buches ‘China Business: Der Ratgeber zur erfolgreichen Unternehmensführung im Reich der Mitte’. Diese Frage gehört für mich aufgrund ihrer hohen Bedeutung gleich an den Anfang gestellt. Dieser Artikel beschäftigt sich zwar mit dem China-Expat bzw. China-Manager, dennoch sollten sich auch China-Experten diese Frage stellen. Wie überzeugend ist ein Deutschland-Experte, der kein Deutsch kann? Würden Sie bei ihm ein Seminar über interkulturelles Management und Kommunikation buchen?
Dieser Artikel ist eine Streitschrift, weil es mir hier nicht um eine wissenschaftliche und werturteilsfreie Herangehensweise geht, in der die Argumente penibel in Fußnoten erfaßt sind. Ich beziehe einen klaren normativen Standpunkt und die Argumente werden eher deutlich vorgetragen. Die Qualität der vorgetragenen Argumente ist jedoch unabhängig von ihrer Präsentationsform.
Der Begriff Expatriate, die Kurzform ist Expat, leitet sich aus dem Lateinischen ex patria (aus dem Land) ab. Ein Expat ist demnach ein vom Stammhaus ins Ausland entsandter Mitarbeiter. In diesem Fall ein deutscher Manager, der mindestens ein Jahr in China für sein deutsches Unternehmen tätig ist.
Das Adjektiv autistisch habe ich in Anlehnung an das Krankheitsbild des Autismus, hier insbesondere das Asperger-Syndrom, verwendet (ohne diese Krankheit reduzieren zu wollen). Die zwei hier relevanten Merkmale sind:
- teilweise hochintelligent und
- gestörter Kontakt zur Umwelt, durch eingeschränkte soziale Interaktion und eingeschränkte Kommunikation.
Mit hochintelligent meine ich, daß der China-Expat ein sehr hohes Fachwissen aufweist. Aufgrund seiner sprachlichen, sozialen und kulturellen Isolation, eine Konsequenz fehlender Chinesischkenntnisse, weist dieser China-Expat jedoch einen gestörten Kontakt zu seiner chinesischen Umwelt auf. Ähnlich einem Autisten (auch wenn dies für das Asperger-Syndrom im geringeren Maß gilt, da dort i.d.R. eine nonverbale Kommunikationsstörung vorliegt, weniger eine verbale Kommunikationsstörung), ist er nicht in der Lage, sich seiner chinesischen Umwelt mitzuteilen und deren Kommunikation zu entschlüsseln. Dieser so von mir bezeichnete autistische China-Expat, wohlwissend das er nicht der einzige Typus von China-Expat ist, kann meiner Ansicht nach nicht die richtige Wahl sein, um den Gewinn in China langfristig zu maximieren. Können diese Expats in China erfolgreich sein? Ja, aber ich bezweifle, daß sie gewinnmaximierend tätig sein können.
Die Betonung von sozialer Kompetenz bzw. Soft Skills findet sich fast in jedem Buch zur Mitarbeiterführung. Die Fähigkeit zur direkten Kommunikation, und nicht Kommunikation via Dolmetscher, ist eine notwendige Bedingung zum Erwerb sozialer Kompetenz. Was in Deutschland als soziale Kompetenz verstanden wird, kann in China anders betrachtet werden. Von daher ist ein einfacher Transfer, daß ein Mitarbeiter in Deutschland mit einer hohen Sozialkompetenz, gleichzeitig in China sozialkompetent ist, nicht zutreffend. Die Befähigung zur Kommunikation mit der sozialen Gruppe vor Ort ist eine conditio sine qua non, was den Zugang zur chinesischen Kultur betrifft. Allerdings stellt sich ein Zugang zur Kultur nicht automatisch durch den Spracherwerb ein. Ohne den Spracherwerb bleibt das Kulturverständnis jedoch schlicht oberflächlich. Auf der einen Seite findet man die betriebswirtschaftliche Betonung der Wichtigkeit von Sozialkompentenz bei der Mitarbeiterführung und auf der anderen Seite werden Manager nach China entsandt, die zwangsläufig diese Kompetenz in einem hohem Maße gar nicht aufweisen können.
Minh Ngoc Vu, Absolventin des Ostasieninstituts der FH Ludwigshafen, schreibt in ihrer Diplomarbeit ‘Internationales Personalmanagement – Aspekt der Entsendungspolitik und Personalführung in China: deren kritischen Punkte, Ursachen und Lösungsansätze’, die sie für ein bekanntes deutsches Unternehmen in China verfasst hat:
In der Regel erhielten die Delegierten [wohl gemerkt für einen China-Aufenthalt] und ihre Familien von der Firma einen Englisch Crash Kurs von drei Wochen, was jedoch in der Praxis meistens zu knapp ist.
Ich fragte den Personalabteilungsleiter, wie das Angebot mit chinesischen Sprachkursen aussieht? Er antwortete, dass es wünschenswert wäre, wenn jemand Chinesisch lernen möchte, aber in den meisten Fällen werden keine Chinesisch Kurse angeboten. Viele Unternehmen halten das Sprachtraining als Bestandteil der Vorbereitung nach China als unwichtig…
Ebenfalls konnte festgestellt werden, dass viele Expats des Angebot eines Englisch oder Chinesisch Kurses nicht ernst genommen haben, da sie der Meinung waren, dass ihr Schulenglisch ausreichend und Chinesisch überflüssig wäre.
So ist es nicht verwunderlich, dass in der von Minh Ngoc Vu durchgeführten Umfrage über Probleme deutscher China-Expats im Alltagsleben die Faktoren Sprache/Kommunikation und Kulturbarrieren von mehr als 2/3 als schwerwiegend bezeichnet wurden. Folglich werden Manager – deren Aufgabe es ist, andere Menschen zu führen -, vor Ort eingesetzt, die bedingt durch Sprachbarrieren und Kulturbarrieren in ihrer Arbeit behindert sind. Rückzug und Ablehnung sind Methoden, um mit einer immer fremdbleibenden Umwelt umzugehen. Der chinesische Begriff 老外 laowai, der häufig zur Bezeichnung von Ausländern verwendet wird, bedeutet auch ‘immer außerhalb’. Die Konsequenz ist ein zur Integration unwilliger und unfähiger Expat. Er kann nicht am Alltagsleben der Menschen teilnehmen. Er wohnt in Compounds, ein Euphemismus für Ausländer-Ghetto, der an die ausländischen Konzessionen, z. B. die berühmte französische Konzession in Shanghai, des 19. Jahrhunderts erinnert. Dort wohnt man unter sich, hat eine große Mauer um den Compound gezogen mit 保安 Baoan, die dazu dienen, das gemeine China von sich abzuschirmen. Die Kinder werden selbstverständlich auf eine deutsche oder internationale Schule geschickt. Herr Stoiber würde bei solchem Verhalten von Ausländern in Deutschland wohl hochrot etwas herumstammeln von ‘fehlender Integration’, ‘Leitkultur’ usw. Wenn von Ausländern in Deutschland verlangt wird, sich der hiesigen Leitkultur anzupassen, gilt dann auch der Umkehrschluß, daß sich deutsche Expats in China der dortigen Leitkultur anzupassen haben. Oder sollte die deutsche Leitkultur in die Welt getragen werden bzw. das Gerede über Leitkultur besser ad acta gelegt werden.
Für einen deutschen Manager in China, der der langfristigen Gewinnmaximierung verpflichtet ist, ist es nicht ausreichend, fachlich qualifiziert zu sein und mit Eßstäbchen umgehen zu können. Dem autistischen China-Expat sollte nicht die Zukunft gehören!
Mai 7th,2006
China |
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